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Ausstellungseröffnung „Demokratie als Lebensform“ zog viele Besucher aus dem ganzen Saarland an

Erstellt am Freitag, 23. Februar 2018 09:56

„Die Wanderausstellung „Demokratie als Lebensform“ über Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp ist schon viel herumgekommen. Seit ihrer Eröffnung 2014 war sie bereits an über 20 Stationen zu sehen. Doch so weit in den Süd-Westen hat sie es bislang noch nicht geschafft, und ich freue mich sehr, dass sie nun zum ersten Mal im Saarland besichtigt werden kann!“ so Dr. Gudrun Kruip  von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart hocherfreut in ihrer Einführung zu der von ihr kuratierten Ausstellung, die vor allem dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer ihren Dank aussprach. Zahlreiche Gäste waren aus dem ganzen Saarland zu der Eröffnung gekommen und wurden am Eingang schon gleich von den wohlklingenden Klängen eines Bläserquartetts des Orchestervereins Harmonie Ormesheim empfangen, bestehend aus Alexander Degel, Thomas Hafner, Carmen Stopp und Tobias Walle.

  

 

Gudrun Kruip erinnerte daran, dass der erste Bundespräsident Theodor Heuss auch bei  vier Gelegenheiten im Saarland das Wort ergriffen hatte, wobei der Höhepunkt wohl 1957 aus Anlass der Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik gewesen sei. „Am Samstag und Sonntag war ich nun im Saarland und habe im ganzen 15 Reden gehalten.“ schrieb er am 28. Januar 1957 halb stolz und halb verzweifelt an seinen Freund Wilhelm Keil. „Am Sonntag zwischen halb 11 Uhr und abends 20 Uhr nicht weniger als Zwölf und jede mit einer anderen Pointe! Es war also wohl meine Monsterleistung.“ 

 

Heuss hatte am 26. Januar in Saarbrücken am Staatsakt zur Rückgliederung teilgenommen und war am besagten Sonntag, wie er wiederum seiner Freundin Toni Stolper schrieb, „in allen Kreisstädten, in ein paar Berg- und Hüttenwerken, in einem Lehrerseminar plus Blindenanstalt, und hatte einen „guten Tag“, so dass mir immer etwas Neues einfiel, irgend eine historische Sache oder eine Bemerkung des Bürgermeisters, des Landrats paraphrasierend. Angeblich ist erst jetzt die Vereinigung vollzogen“ Auf diese Leistung war Heuss außerordentlich stolz, hatte er es doch strikt abgelehnt, schon am 1.Januar 1957, dem eigentlichen Stichtag der Eingliederung, nach Saarbrücken zu fahren. Jeden Anschein einer „Besitzergreifung“, wie er es formulierte, wollte er vermeiden.

 

Schon im Dezember 1956 hatte er mit Rücksicht auf Frankreich davor gewarnt, als Bundespräsident gemeinsam mit Bundesregierung und allen Ministerpräsidenten in Saarbrücken zu erscheinen, wie es wohl dem Wunsch der Saar-Regierung entsprochen hätte. „So sehr ich begreife, dass ein populäres Bedürfnis diesem Tag einen feierlichen Symbolcharakter zu verleihen wünscht, so halte ich den Massenaufmarsch der bundesrepublikanischen politischen Prominenz für eine falsche Geste, die durchaus Nazi-Stil hat und durchaus als „Besitzergreifung“ wirkt. Nach meiner politischen Meinung muss die Übernahme würdig, doch ohne Getöse vollzogen werden. Wir betrachten doch das Saarabkommen als Ausgangspunkt für die Ebnung einer deutsch-französischen Verständigung – welcher Widersinn, dann mit nicht ausbleibenden Triumphtiraden Gefühlshemmungen auf der Gegenseite aufzuscheuchen.“

 

„In dieser Heuss‘schen Stellungnahme zeigt sich ein sehr typisches Element seiner Präsidentschaft!“ so Dr. Kruip, „Heuss war stets bewusst, dass er das erste deutsche Staatsoberhaupt nach Hitler war und er somit das Vertrauen des Auslands in Deutschland ganz neu aufbauen musste!“ Alle Anklänge an die Repräsentationsmethoden der Nazis wollte er vermeiden. So lehnte er zunächst auch Fotos mit Tieren und Kindern ab oder weigerte sich, sein Profil als Motiv für Briefmarken freizugeben, denn all das sei der Stil der Nationalsozialisten gewesen. 

 

Bürgermeister Gerd Tussing war voll des Lobes für die liebevoll und ansprechend gemachte Ausstellung: „Mit vielen Bildern und Originaltönen sowie mehreren Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, präsentiert die Ausstellung das Ehepaar Heuss und den individuellen Weg der beiden durch das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert!“ 

 

Der stellvertretende Vorsitzende der Villa Lessing Erik Schrader sprach für seine Stiftung zu den vielen Zuhörern, zu denen auch der 1. Kreisbeigeordnete Markus Schaller gehörte. Gerne und spontan habe die Villa Lessing der Bitte des Verkehrsvereins Mandelbachtal entsprochen, diese großartige Ausstellung über den ersten Bundespräsidenten Theodor-Heuss zu zeigen, der auch einer der Väter des Grundgesetzes war. Besonders stolz sei man, dass zur Finissage der Ausstellung am 6. März um 19.00 Uhr Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss sein Kommen nach Mandelbachtal zugesagt habe. Heuss ist Vorsitzender der „Theodor-Heuss-Stiftung“ und Stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“. Der Enkel von Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp wird am 6. März im Sitzungssaal des Rathauses in Ormesheim einen Impulsvortrag unter dem Titel „Stolper und Heuss: German Realities 1947 – und 2018?“ vortragen.  

 

Der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer hat die Ausstellung noch um zwei weitere Informationstafeln über die Besuche von Bundespräsident Theodor Heuss im Saarland ergänzt. Er dankte allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und freute sich dass gleich zum Auftakt so viele Besucher gekommen waren. 

 

Die Ausstellung „Demokratie als Lebensform“ ist im Rathaus in Mandelbachtal noch bis zum 6. März 2018 zu sehen und wird von der Stiftung Villa Lessing vor Ort finanziell unterstützt. Besucht werden kann die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Rathauses vormittags von Montag bis Freitag jeweils von 8:30 bis 12:00 Uhr und nachmittags am Montag und Donnerstag von 13:00 bis 15:30 Uhr, sowie am Mittwoch von 13:00 bis 17:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Das Bild zeigt von links: Ortsvorsteher Rainer Barth, Dr. Gudrun Kruip, Erik Schrader, Bürgermeister Gerd Tussing, Manfred Pfeiffer und Kreisbeigeordneter Markus Schaller ((Foto: Nicole Weinrank, darf kostenfrei veröffentlicht werden))