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150 Jahre Evangelische Kirche in Ensheim

Erstellt am Donnerstag, 26. Juli 2018 08:47

Am 6. August 1868 wurde der Betsaal der Mutterkirche aller Protestanten in Ensheim, Eschringen und Mandelbachtal geweiht

Festgottesdienst mit Oberkirchenrat Dr. Gärtner und Dekan Butz am 5. August 2018 

Rund 200 Jahre mussten die evangelischen Christen rund um Ensheim warten, bis sie endlich ein eigenes Gotteshaus vor Ort ihr Eigen nennen durfte. In Ensheim, das im 16. Jahrhundert zur Grafschaft Saarbrücken gehörte, war zwar bereits 1675 gegen den Widerstand der katholischen Bevölkerung durch den Grafen Philipp III. (1574-1602) das lutherische Bekenntnis eingeführt worden und bis 1680 gab es auch mehrere lutherische Pfarrer vor Ort. Als aber das Gebiet von Frankreich besetzt wurde, stellten die Besetzer im Rahmen ihrer Religionspolitik in den besetzten Gebieten den katholischen Glauben wieder her und Ensheim wurde wieder katholisch. 

 

Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich zunächst zaghaft wieder einzelne protestantische Familien in Ensheim und Umgebung an. Sie gehörten zunächst zur Kirchengemeinde Bischmisheim und mussten sonntags zum Gottesdienstbesuch zur Filialkirche in Fechingen laufen. Ab 1822 gehörten die Protestanten aus Ensheim, St. Ingbert, Ommersheim, Oberwürzbach und Heckendalheim zur Kirchengemeinde Neuhäusel, ab 1852 zum neugeschaffenen Vikariat St. Ingbert. 

Da auch die Entfernung nach Neuhäusel und später nach St. Ingbert mit Kutsche, Pferd oder zu Fuß mehrere Stunden betrug, begrüßten die Protestanten in Ensheim und Umgebung es sehr, dass ihnen vom St. Ingberter Pfarrer Ernst Krieger im Jahr 1865 die Möglichkeit der Errichtung eines ständigen Vikariats in Ensheim in Aussicht gestellt wurde. So richteten die Gemeindeglieder ein Gesuch an das Königlich Bayrische Consistorium um Errichtung einer protestantischen geistlichen Stelle zu Ensheim, dem 1867 gefolgt wurde. Pfarrer Ernst Krieger kam in der Folge ab Januar 1867 alle vier Wochen nach Ensheim um in einem Raum in der Ziegelhütte des ortsansässige Fabrikbesitzers Johann Baptist Adt gemeinsame sonntägliche Predigtgottesdiensten zu feiern. 

Der sehnliche Wunsch der Protestanten nach einem eigenen Gotteshaus erfüllte sich schließlich durch einen Unfall der Ensheimerin Bertha Adt, der streng gläubigen evangelischen Mutter des vermögenden Kommerzienrates Eduard Adt, die einen schweren Knochenbruch erlitt und gehbehindert nicht mehr von Ensheim zum evangelischen Gottesdienst nach Saarbrücken gelangen konnte. 

Mit Zustimmung und Unterstützung ihres begüterten katholischen Ehemannes und ihres Sohnes trieb Bertha Adt den Bau eines evangelischen Gebetshauses in Ensheim voran. Ihr Mann Franz Adt schenkte den Protestanten sogar einen Bauplatz in der heutigen Hauptstraße und gewährte gegen eine Verzinsung von 5% einen Kredit für den Neubau, so dass vor 150 Jahren, am 6. August 1868, der neugeschaffene Betsaal in der heutigen Kirche mit einem Gottesdienst eingeweiht werden konnte. 

Das neue Gotteshaus wurde schnell zum spirituellen Mittelpunkt der evangelischen Christen in Ensheim, Eschringen, Heckendalheim und Ommersheim. Am 4. Juli 1870 kamen auch die Protestanten aus Bebelsheim, Bliesmengen-Bolchen, Ormesheim, Wittersheim (bis 1930 auch aus Oberwürzbach) zum Vikariats Ensheim. 

Durch „allerhöchste Entschließung“ wurde Ensheim am 27. Dezember 1908 schließlich aus dem Vikariat eine eigenständige Kirchengemeinde, so dass in diesem Jahr nicht nur das 150jährige Kirchenjubiläum sondern auch das 110jährige Bestehen der Kirchengemeinde gefeiert werden kann, zu der als jüngster Teil vor knapp 50 Jahren auch noch Habkirchen hinzugekommen war. Seit dem gehören zu der Kirchengemeinde alle Protestanten der beiden Saarbrücker Stadtteile Ensheim und Eschringen sowie aller acht Ortsteile der Gemeinde Mandelbachtal. 

Gefeiert wird das Kirchenjubiläum mit einem großen Festgottesdienst am Sonntag, 5. August 2018 um 10.00 Uhr in der evangelischen Kirche in der Hauptstraße 64 in Ensheim. Zu der Veranstaltung wird Gemeindepfarrer Wolfgang Glitt auch in Vertretung des Kirchenpräsidenten Oberkirchenrat Dr. Michael Gärtner von der Kirchenregierung und Dekan Peter Butz aus Zweibrücken begrüßen dürfen. Präsentieren wird sich das Kirchengebäude als betagtes Geburtstagskind in neuem Gewand, da es in den Jahren 2015 bis 2016 für 380.000,00 € komplett saniert und renoviert worden ist. Vor allem das Turmdach hat sich nach der Renovierung bemerkenswert gewandelt.