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100 Jahre Frauenwahlrecht – Klara Barth aus Ommersheim war eine der ersten Parlamentarierinnen

Erstellt am Donnerstag, 15. November 2018 10:22

Seit 100 Jahren können in Deutschland auch Frauen wählen und gewählt werden – ein Meilenstein in der Demokratie und Grundlage für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer erinnert daran, dass eine der ersten deutschen Parlamentarierinnen in Ommersheim geboren wurde: Klara Barth. 

 

„Im Oktober 1918 hatten 58 deutsche Frauenorganisationen in einem gemeinsamen Schreiben an den Reichskanzler Max von Baden gefordert, dem Verlangen der Frauen nach einem Wahlrecht zu entsprechen. In Berlin versammelten sich mehrere tausend Menschen und forderten das sofortige Stimmrecht für die Frauen!“ so Manfred Pfeiffer. Nachdem sich bereits im Sommer 1918 der militärische Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg abgezeichnet hatte, revoltierten im November schließlich die Matrosen in Kiel und leiteten damit den endgültigen Sturz der Monarchie ein. 

Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann die Republik aus. Wenige Tage später stellt der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 in einem Aufruf „An das deutsche Volk“ sein Regierungsprogramm vor. Ein wichtiger Teil davon war die Proklamation einer großen Wahlrechtsreform, die auch das Frauenwahlrecht enthielt. Dies gilt allgemein als die Stunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. 

Wahlberechtigt sollten nun alle Frauen und Männer ab 20 Jahren sein. Wenige Wochen später, am 30. November 1918 verankert der Rat der Volksbeauftragten das aktive und passive Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger in der Verordnung über die Wahl zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung. Im Artikel 109, Abs. 2 der Weimarer Verfassung findet sich der entscheidende Satz: „Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“ 

Die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung vom 19. Januar 1919 war die erste, an der Frauen als Wählerinnen und Gewählte teilnahmen. Über 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. 300 Frauen kandidierten, von denen 37 in die Nationalversammlung mit insgesamt 423 Abgeordneten gewählt wurden. 

Auch bei den Landtagswahlen der Länder waren die Frauen nun wahlberechtigt. "Die in Ommersheim geborene Klara Barth wurde am 1. Juni 1920 für die Bayrische Volkspartei als eine der ersten Frauen in den bayrischen Landtag gewählt!" so der Vorsitzende des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer. "Somit stammt auch aus der heutigen Gemeinde Mandelbachtal eine der ersten deutschen Parlamentarierinnen!" 

Klara Barth wurde am 23. Dezember 1880 als Tochter des Ommersheimer Volksschullehrers Otto Caspar Barth und seiner Frau Maria Eva Barth, geb. Müller, im damals bayrischen Ommersheim geboren. Sie besuchte die Höhere Mädchenschule in St. Ingbert und danach das Lehrerinnenbildungsseminar des Klosters St. Magdalena in Speyer. Ihre erste Stelle trat sie 1905 als in Albersweiler (Pfalz) an bevor sie 1906 Volksschullehrerin als Schulverweserin an die konfessionell gemischte Schule in Ludwigshafen wurde. Im Ersten Weltkrieg leitete Klara Barth dort zwei Klassen in der Ludwigsschule und wurde zur Hauptlehrerin befördert. 

Ab 1908 war Klara Barth zudem ehrenamtliche Waisenpflegerin in Ludwigshafen und dort auch beteiligt an der Gründung des Elisabethenvereins sowie des katholischen Frauenbundes Ludwigshafen. Im Jahr 1930 wurde sie zur ersten Vorsitzende des katholischen Lehrerinnenverbandes Pfalz gewählt. Sie war außerdem Vorsitzende des Bezirksverband Pfalz des Vereins Katholischer Deutscher Lehrerinnen und Mitglied der Bayerischen Volkspartei 

In den Bayrischen Landtag wurde Klara Barth erstmals 1920 gewählt. Es erfolgte danach stete Wiederwahl in verschiedenen Wahlkreisen, ihr Mandat endete erst mit Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten 1933. Klara Barth war hochgeachtet und sehr durchsetzungsstark. Sie wurde einmal in einer Veröffentlichung sogar als „einziger Mann in der Bayrischen Volkspartei“ bezeichnet. Für ihre Verdienste erhielt die päpstliche Auszeichnung „Pro ecclesia et pontifce“. 

"Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Klara Barth vorübergehend inhaftiert. Sie starb im Alter von 59 Jahren am 13. Juni 1940 in Ludwigshafen!" so Manfred Pfeiffer. "Wir werden ihrem segensreichen Wirken im kommenden Jahr im Rahmen einer Feierstunde in Ommersheim gedenken!"

 

Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag